Stolpersteinprojekt der Klasse 9.2; 11.02.2026
Im letzten halben Jahr haben wir uns im Fach Gesellschaftslehre/AWT intensiv mit dem Projekt „Stolpersteine“ beschäftigt. Diese findet man in vielen Ländern und Städten. Bevor wir von unserem Projekt erzählen, möchten wir kurz erklären, was Stolpersteine sind und was sie bei Menschen auslösen: Stolpersteine sind kleine, goldene Gedenksteine, auf denen die wichtigsten Fakten über Menschen stehen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Viele dieser Menschen waren Jüdinnen und Juden, die verfolgt und ermordet wurden. Andere wurden aus politischen Gründen verfolgt, waren homosexuell, gehörten den Zeugen Jehovas an, waren Sinti und Roma oder Menschen mit Behinderung bzw. psychischen Erkrankungen.
Mittlerweile gibt es mehr als 120.000 Stolpersteine in über 30 Ländern. Sie bilden das größte dezentrale Denkmal der Welt. Man nennt sie „Stolpersteine“, weil man sozusagen mit dem Blick über sie stolpert. Sie glänzen goldfarben, ziehen Aufmerksamkeit auf sich und regen zum Nachdenken an. Durch die Stolpersteine bekommen die Menschen ihren Namen und ihre Würde zurück.

Wir durften Henry und Alwine Pinkepank sowie Hermann und Betty Frankenberg ein Stück dieser Würde zurückgeben, indem wir uns intensiv an der Stolpersteinverlegung beteiligt haben. Einige von uns haben dafür eine Exkursion in das Niedersächsische Landesarchiv in Wolfenbüttel und in das Archiv nach Hannover gemacht. Während ein Teil der Klasse im Archiv in Hannover recherchiert hat, besuchte der andere Teil die JVA Wolfenbüttel und erfuhr dort noch mehr über die NS-Zeit und insbesondere über den Henry Pinkepank, der politisch verfolgt wurde.

Im Archiv haben wir mit echten historischen Akten gearbeitet. Wir durften alte Dokumente lesen, Briefe und Einträge sichten und versuchen, Informationen über die Lebenswege der Menschen zu finden. Dabei sind wir immer wieder auf kleine „Rätsel“ gestoßen: Manche Angaben waren unvollständig, schwer zu lesen oder widersprüchlich. Gemeinsam haben wir versucht, diese Hinweise zu entschlüsseln, Zusammenhänge herzustellen und einzelne Lebensstationen zu rekonstruieren. Es war spannend zu merken, wie aus vielen einzelnen Dokumenten nach und nach ein klareres Bild entstand. So konnten wir einige Fragen klären, andere bleiben bis heute offen – genau das gehört aber auch zur historischen Arbeit dazu. Außerdem bekamen wir eine Stadtführung von Herrn Rudolf Fricke, bei der wir viele neue Informationen über die Zeit des Nationalsozialismus in Wolfenbüttel sammeln konnten.
Für das Projekt haben wir uns in verschiedene Gruppen aufgeteilt: Gruppe Öffentlichkeitsarbeit: kümmerte sich um Einladungen und Texte. Gruppe Ausstellung: bereitete eine Ausstellung zu den Stolpersteinen vor. Gruppe Reden und Texte: gestaltete die Beiträge für die Verlegung. Gruppe Historischer Kontext: informierte sich über die NS-Zeit in Wolfenbüttel, erstellte ein Plakat und fasste wichtige Begriffe und Ereignisse zusammen. # Der Tag der Verlegung begann damit, dass sich alle Beteiligten in der Grundstraße 16 versammelten. Nach einigen Minuten erzählte der Sohn von Sabine Pinkepank (sie war eine Enkelin von Henry Pinkepank) Biografisches über seinen Urgroßvater. Danach wurde Saxophon gespielt, während der Stolperstein von Gunter Demnig verlegt wurde. Anschließend hielt ein Mitschüler aus unserer Klasse eine Rede und überreichte ein selbst angefertigtes Gemälde als Geschenk an Frau Pinkepank, mit der wir im Vorfeld ein spannendes Interview führen durften. Danach legten unsere Klasse und die Familie Rosen zu den Stolpersteinen.

Im Anschluss gingen wir in die Leibnizstraße, um dort auch die Stolpersteine für Betty und Hermann Frankenberg zu verlegen. Dort wurden biografische Informationen über das Ehepaar vorgetragen. Außerdem wurde eine Rede zum Gedenken gehalten, ein Gedicht vorgetragen und ein Lied gesungen. Eine Schülerin aus unserer Klasse übernahm den Gesang und wurde dabei von Herrn Chew auf der Gitarre begleitet. Auch hier legten wir Blumen nieder und gedachten gemeinsam der beiden.# Nach der Verlegung ging die Klasse 9.2 noch in die VeränderBar. Dort wurden wir von der Stadt Wolfenbüttel auf ein Getränk eingeladen und nutzten die Zeit, um das Projekt gemeinsam zu reflektieren und über unsere Eindrücke zu sprechen.
Wir möchten uns herzlich bedanken bei Frau Lena Simon von der Stadt Wolfenbüttel, bei Herrn Dr. Gustav Partington von der JVA-Gedenkstätte sowie bei Herrn Rudolf Fricke für die Unterstützung, die Begleitung und die vielen Informationen, die uns bei diesem Projekt sehr geholfen haben. Vielen Dank auch an unsere Tutorin Frau Tümler, die uns bei der Planung und Umsetzung des Projekts begleitet hat.
Durch das Projekt haben wir gelernt, wie wichtig es ist, sich mit der Geschichte unserer Stadt auseinanderzusetzen und die Schicksale einzelner Menschen nicht zu vergessen. Die Stolpersteine zeigen uns, dass hinter den großen historischen Ereignissen immer persönliche Lebensgeschichten stehen. Uns ist klar geworden, wie wichtig Erinnerung, Verantwortung und Respekt heute noch sind. Dieses Projekt hat uns gezeigt, dass wir selbst etwas dafür tun können, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät.
Text und Bilder: Klasse 9.2
Diese Schule ist eine Bildungseinrichtung des Landkreises Wolfenbüttel