Menschenbildung ist das Ziel. - H. Breymann

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Schule ohne Rassismus-Projekttag; 12.06.2026

Am Anne-Frank-Tag, den 12.06.26, fand unser jährlicher „Schule ohne Rassismus“-Projekttag statt. Für die Jahrgänge 10, 11 und 12 wurde eine Lesung mit Çetin Gültekin und Mutlu Koçak aus ihrem Buch „Geboren, aufgewachsen und ermordet in Deutschland“ organisiert. Darin geht es um Çetins Bruder Gökhan Gültekin, der am 19.02.2020 bei dem rassistischen Anschlag in Hanau zusammen mit 8 weiteren Personen ermordet wurde. Die Lesung bot somit eine Möglichkeit aus erster Hand zu erfahren, welche Auswirkungen solch ein rassistischer Anschlag auf Angehörige und Überlebende hat und einen Einblick in die Gefühlswelt von Betroffenen von rassistischer Gewalt zu bekommen.


Mutlu Koçak, Ghalia El Boustami (stellvertretende Bürgermeisterin Wolfenbüttels), Judith König, Çetin Gültekin

Nachdem die Schüler*innen sich im ersten Block im Klassenverband mit den Geschehnissen am 19.02.2020 in Hanau beschäftigten, lauschten sie im zweiten Block den Autoren. Mutlu las Passagen über Gökhans Geburt und Çetin als großen Bruder vor. Dieser berichtete über das nicht immer gradlinig verlaufene Leben seines Bruders, der nicht nur einmal in lebensgefährliche Situation geriet. Auch über das Leben in Hanau in seiner Kindheit und Jugend erzählte Çetin.

Als Mutlu die Stellen des Buches vorlas, die von der Tatnacht handeln, war es mucksmäuschenstill. Çetins anschließender Augenzeugenbericht über den Verlauf des Abends ging allen Zuhörenden unter die Haut. Später beschrieb er aufgewühlt, wie die verantwortlichen Behörden nach dem Anschlag mit den Angehörigen umgingen, wie schwer es war an Informationen zum Verbleib der Leiche seines Bruders zu kommen und wie unwürdig diese behandelt wurde.

Mutlu erklärte dem Publikum außerdem, wo noch überall Dinge in Hanau schief gelaufen sind: Ob der verschlossene Notausgang des einen Tatorts, der nicht besetzte Notruf oder die 13 SEK-Beamten, die in rechtsextremen Chatgruppen aktiv waren – für die Angehörigen gilt: „Am 19.02.2020 starben unsere Familienmitglieder. Aber wir Angehörige sterben jeden Tag aus Neue.“

Nach einer kurzen Pause, in der alle etwas durchatmen und das Gehörte sacken lassen konnten, hatten die Schüler*innen die Chance den Autoren Fragen zu stellen. Trotz der Emotionen, trauten sich einige und es kam zu einem weiteren Austausch über das Versagen der Behörden, aber auch zu den Folgen für Çetins Leben und seinem Mut weiterzumachen und für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Im Anschluss an die Fragerunde, reflektierten die Tutor*innen mit ihren Klassen die Lesung in geschütztem Raum und fingen offene Fragen und Emotionen auf. Vielen Dank an dieser Stelle für eure Unterstützung und vielen Dank auch an die Autoren, die sich immer wieder den schrecklichen Erlebnissen in Hanau stellen, um zu verhindern, dass sich solche rassistische Gewalttaten wiederholen. Bedanken möchten wir uns außerdem bei der Heimatstiftung Wolfenbüttel, beim Schulförderverein der HBG und beim Netzwerk NDS², die die Lesung an unserer Schule finanziert haben.

Text und Bilder: Judith König


 

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